Objekt des Monats Oktober 2015

Trauergerüst Prinz Eugens von Savoyen

Trauergerüst für Prinz Eugen von Savoyen
Inv.Nr. BFM-158
61 x 37 cm
Kupferstich von Salomon Kleiner
1736

Prinz Eugen von Savoyen, Feldherr, Diplomat und Kunstliebhaber, starb am 21. April 1736 in Wien. In der Uniform seines Regiments wurde er in seinem Stadtpalais in der Himmelpfortgasse auf einem Paradebett aufgebahrt. Im Stephansdom, wo er seine letzte Ruhestätte fand, ließ ihm Kaiser Karl VI. ein Trauergerüst errichten. Johann Lukas von Hildebrandt, der für Prinz Eugen das Schloss Belvedere erbaut hatte, wurde damit beauftragt.

Ein Trauergerüst, auch als Castrum doloris bezeichnet, war vor allem in der Barockzeit zur Aufbahrung hochgestellter Persönlichkeiten in Kirchen und an anderen Orten üblich. Der Sarg mit der Leiche konnte Teil des Trauergerüsts sein, musste aber nicht. Fallweise wurden mehrere dieser Denkmäler für einen Toten konstruiert. Deren Basis war meist ein Holzgerüst, das prächtig dekoriert wurde: mit Statuen aus Marmor, Wachs oder Pappmaschee, Fackeln, Inschriften und einer Fülle an Darstellungen, die Tugenden und Verdienste des Verstorbenen hervorhoben.

Das prächtige Trauergerüst Prinz Eugens wäre eines Herrschers würdig gewesen. Hoch zu Ross ritt er an dessen Spitze, ein Engel bekränzte ihn mit Lorbeer. Geharnischte Männer luden sich den vergoldeten Kenotaph – einen symbolischen, weil leeren Sarg – auf die Schultern. Grimmige Löwen, Feldzeichen und Totenschädel, manche mit Fürstenhut, „erzählten“ von Macht und Ruhm des Prinzen, aber auch von der Endlichkeit des irdischen Daseins. Das Trauergerüst wurde von Kerzen und Fackeln, die aus Urnen züngelten, beleuchtet.

Für Prinz Eugens Abschied war der Stephansdom schwarz ausgeschlagen. Das Wappen von Savoyen schmückte den Hochaltar, an die Kirchenpfeiler montierte Schilder erinnerten an die Schlachttriumphe des Feldherrn. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde er fünf Tage nach seinem Ableben in der Kreuzkapelle des Stephansdoms beigesetzt. Sein Herz ruht in der Grabkirche der Herzöge von Savoyen in Turin.

Trauergerüste blieben üblicher Weise einige Wochen bis maximal ein halbes Jahr bestehen. Fast immer wurde von einem Castrum doloris ein Kupferstich angefertigt. Salomon Kleiner dokumentierte das kurzlebige Gebilde zur Trauerfeier für Prinz Eugen. Der Künstler schuf unter anderem zahlreiche Stadtansichten Wiens. Seine detailgenauen Darstellungen sind wertvolle Quellen auch zur Ausstattung von Prinz Eugens Schloss Belvedere.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum