Objekt des Monats August 2019

Aufbahrungsklassen

Aufbahrung II. Classe
Inv.Nr. BFM-177c
Farblithografie
24,7 x 31,8 cm
Wien, vor 1890

Eine Aufbahrung ist eine feierliche Zurschaustellung eines Toten im Rahmen der Trauerfeier. Sie erfolgt in einer Aufbahrungshalle oder Kirche. Früher wurde auch oft zu Hause aufgebahrt.

Das hier vorgestellte Objekt zeigt eine „Aufbahrung II. Classe“ der Entreprise des Pompes Funèbres aus dem späten 19. Jahrhundert. Die 1867 gegründete „Entreprise“ war Wiens erstes privates Bestattungsunternehmen. Davor hatten sich die Religionsgemeinschaften um die Bestattung gekümmert.

Im „Ceremoniell für Aufbahrungen und Leichenbegängnisse“ der Entreprise des Pompes Funèbres – einer Art Angebotskatalog – ist zu einer Aufbahrung 2. Klasse zu lesen: „Der Verblichene wird in einem metallenen mit vergoldeter Ornamentik verzierten und mit einer weissen Matratze versehenen Sarg gelegt, sein Haupt ruht auf einem weissen Atlaskissen, in die gekreuzten Hände erhält er ein kleines Crucifix von Composition.

Der Sarg wird auf einen Katafalk unter einen Baldachin gestellt. Sowohl Katafalk als Baldachin sind von schwarzem Tuche und reich mit Silber verziert. 18 in hohen Kirchenleuchtern befindliche Kerzen umgeben die irdische Hülle des Verstorbenen, zu seinen Füssen kommen auf einem mit schwarzem Tuche überzogenen und mit Silber verzierten Piedestal ein silbernes Crucifix und ein silber Weihbrunnkessel nebst Sprengel. Tagsüber wird die Leiche von einem nach II. Classe adjustirten Manne bewacht. Am Tage des Begräbnisses wird auf Verlangen ein Portier in Trauer-Livrée zum Eingange des Hauses postirt.

Bei Verstorbenen ledigen Standes wird ihnen zu Häupten auf der linken Seite auf ein mit Silber verziertes Piedestal ein weisses, mit Gold bordirtes Atlaskissen und darauf ein Myrthenkranz gelegt, während zu Füssen das Crucifix und der Weihbrunnkessel auf gleichem Piedestal kommen.

Verstorbene, welche einem hohen Adel angehören, erhalten zu Häupten links die ihnen nach ihrem Adelsgrade gebührende, im Feuer vergoldete Krone auf rothsammtenem, mit Gold bordirtem Kissen, dann zu Füßen das Crucifix und den Weihbrunnkessel; jene ledigen Standes bekommen überdies noch einen Myrthenkranz auf weissem Atlaskissen. Mitglieder aus dem Ritter- und Herrenstande erhalten einen silbernen Wappenhelm mit geschlossenem Visir und schwarzem Helmbusch auf rothsammtenem, mit Gold bordirtem Kissen. […]“

Die hier vorgestellte Tafel ist Teil eines einst 134 cm langen Leporellos mit Illustrationen zu fünf Aufbahrungsklassen. Die Zahl der Kerzen war das primäre Unterscheidungsmerkmal zwischen den Kategorien. Licht gehörte von Anfang an zum christlichen Totengebrauch. Es wurde mit Christus gleichgesetzt und drückte die feste Hoffnung auf die Auferstehung aus.

So umgaben 26 hohe Leuchter einen Toten aufgebahrt nach der ersten Klasse. 18 Kerzen waren für die zweite Klasse vorgesehen, 14 für die dritte, zehn für die vierte und fünfte Klasse. Und bei der – niedrigsten – 6. Klasse ist von Kerzen nur bei der Einsegnung in der Kirche die Rede: Vier beleuchteten den Altar. Ein „Guckkasten“ im Bestattungsmuseum zeigt die Lithografien zu allen Klassen: Nahtlos gehen sie ineinander über.

Je nach Bestatter gab es Ende des 19. Jahrhunderts bis zu sieben Aufbahrungsklassen, die aber teilweise weiter untergliedert waren – und somit bis zu 12 Kategorien ergaben. Die Klassen-Unterschiede umfassten nicht nur die Aufbahrung, sondern etwa auch Leichenkutsche und Zahl der Pferde, Bahrtuch und Stol-Klasse des Priesters, Trauermusik-Capelle und Sargschlüssel.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Manfred Seidl