Objekt des Monats Juli 2019

Kardinal König im Krematorium Wien, 1966

Kardinal König im Krematorium
Inv.Nr. BFM-404
Schwarz-Weiß-Foto
17,3 x 22,4 cm
Wien, 1966

1966 besuchte Wiens damaliger Kardinal DDr. Franz König (1905-2004) die Feuerhalle Simmering, das heutige Krematorium Wien. „Der Kardinal interessierte sich im Besonderen für die Feuerbestattungsanlagen und den Zeremonienraum der Feuerhalle der Stadt Wien“, steht im Geschäftsbericht der Bestattung Wien aus jenem Jahr.

1963 hatte der Vatikan römisch-katholischen Gläubigen erlaubt, sich einäschern zu lassen. Davor war diese Bestattungsart Katholiken verboten gewesen. Doch betonte das Heilige Offizium in der Instruktion „De cadaverum crematione“, dass der kirchliche Ritus keinesfalls am Ort der Verbrennung abgehalten werden durfte.

In Wien wurden somit Katholiken nicht in der Feuerhalle, sondern in der Aufbahrungshalle 1 des Wiener Zentralfriedhofs eingesegnet. Königs Besuch im Krematorium jedoch wurde zum Symbol für die Akzeptanz der Feuerbestattung durch den Vatikan. Auch Priester durften nun die Feuerhalle betreten und den Leichnam dort einsegnen.

Das hier vorgestellte Foto wurde im Zeremonienraum der Feuerhalle Simmering geschossen. Begleitet wurde der Kardinal bei diesem Besuch unter anderen vom Priester der Simmeringer Kirche, Josef Treml (links im Bild), einem strikten Gegner der Kremation. Er gab der Einäscherung von Katholiken keine Chance, schrieb das „Wiener Wochenblatt“, das gleichfalls am Termin teilnahm.

Die Feuerbestattung hatte in Wien ab dem 19. Jahrhundert über Jahrzehnte für Diskussionen gesorgt. Liberale Kreise und die Arbeiterbewegung hatten sich dafür eingesetzt, konservative Kreise dagegen ausgesprochen. Erst 1922 konnte Österreichs erste Feuerhalle in Wien-Simmering eröffnet werden.

Nach der Gleichstellung von Feuer- und Erdbestattung in den 1960er-Jahren stiegen die Einäscherungen langsam an. Um sie weiter zu fördern, wurde das Krematorium Wien umgebaut und erweitert, neue Zeremonienhallen kamen hinzu.

1966 wurde ein zweites Wiener Krematorium auf dem Stammersdorfer Zentralfriedhof eingerichtet. König besuchte auch dieses: „Die neueingerichteten Aufbahrungsräume in der Halle II des Stammersdorfer Zentralfriedhofes hinterließen bei seiner Eminenz einen äußerst positiven Eindruck“, so der Geschäftsbericht der Bestattung Wien. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde diese Feuerhalle in den 1980er-Jahren wieder geschlossen.

In Wien wird aktuell etwa ein Drittel der Verstorbenen eingeäschert. Dieser Wert liegt unter dem österreichischen Durchschnitt und weit unter jenem Deutschlands.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum