Objekt des Monats Mai 2019

Papp-Sargverzierung Engel

Sargverzierung
Inv.Nr. BFM-572
Pappe, hochgeprägt, goldfoliert
17,5 x 18 x 2,7 cm
Spätes 19. Jh.
Sargfabrik Julius Maschner & Söhne, Wien

 

Madonna mit Kind, Christus am Kreuz und Engel mit ausgebreiteten Flügeln: Sargverzierungen aus geprägter Pappe haben sich im 19. Jahrhundert entwickelt. Sie verzierten Holzsärge, sollten aber die Beschläge teurer Metallsärge imitieren. Papp-Dekoration wie erhabene Löwenköpfe mit Ring im Maul oder Schädel mit gekreuzten Beinknochen erinnern gar an barocke Prunksarkophage.

Eine große Fülle an Motiven war erhältlich. Nicht nur figürliche Darstellungen, sondern auch Ornamente, Borten und Beschriftungen wie Akantusblätter, Lorbeerkränze, Blumengirlanden und Zierbordüren. Ebenso wurden Abschiedsgrüßen wie „Ruhe sanft“ oder „Wiedersehen“ aus Pappe in Flachprägung hergestellt. Auch Einzelbuchstaben waren zu haben, aus denen sich beliebige Wörter formen ließen.

Die Dekorationsstücke wurden bevorzugt zur Farbe des Sarges passend aus verschiedenen „Materialien“ erzeugt: Silber für schwarz lackierte Särge, Kupfer und Bronze für braune. Und für weiße Kindersärge wurden am liebsten hellgoldfarbene Elemente genommen. Sogar kolorierte Sargverzierungen aus Pappe waren im Angebot.

Die Herstellung der Sargdekoration erfolgte maschinell im Prägedruck. Es gab sowohl Motive im Flachdruck wie auch solche im Hochdruck. Dafür wurden Prägemodel verwendet, Buchstaben in Gusspfannen hergestellt. Auf die geprägte Pappe wurde eine Folienschicht appliziert.

Hauptproduzent dieser Dekorationselemente war die Wiener Sargfabrik Julius Maschner. Schon vor 1900 belieferte sie Bestatter in der gesamten Habsburgermonarchie und darüber hinaus. Die oben genannten Buchstaben umfassten selbst serbische, russische und griechische Schriftzeichen.

Großformatige Musterbücher zeigten die Motive in Originalgröße. Diese Publikationen wurden an Bestattungsunternehmen ausgegeben, blieben aber „im Eigentum des Produzenten“, wie auf den Katalogen vermerkt war.  

Die Musterbücher erschienen in mehreren Sprachen. Maschners Vorname wurde jeweils adaptiert: So servicierte er als Gyúla Maschner die ungarische Bestatterschaft, in Spanien firmierte er als Julio Maschner & Hijos.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts blieben diese Sarg-Pappverzierungen überaus beliebt, das Motiv des gekreuzigten Christus weit darüber hinaus. Am einstigen Standort der Sargfabrik Julius Maschner befindet sich heute das Wohn- und Veranstaltungszentrum Sargfabrik (Wien 14, Ecke Goldschlagstraße/Matznergasse).

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum