Objekt des Monats Jänner 2019

Rettungswecker

Rettungswecker 
Inv.Nr. BFM-111
Holzgehäuse, Läutwerk aus Metall
29 x 18,5 x 12,5 cm
Fa. Schmollgruber, Wien 7
1976 (nach dem Original aus 1828)

„… bewogen durch die schreckliche Vorstellung, dass mehrere Scheintote zur grausamen Marter lebendig begraben wurden“ bestätigte ein Hofdekret 1797 schon früher erlassene Bestimmungen zur Bewahrung vor dem Scheintod. Die wichtigste: eine Mindest-Aufbahrungszeit von 48 Stunden.

Außerdem gab es weitere Maßnahmen wie den hier vorgestellten Rettungswecker. So liest sich seine Bedienungsanleitung aus dem Jahr 1828: „Belehrung für den Todengräber – Zur Anwendung des Rettungsweckers [...].– Erstens In der Kapelle wird vor allen der Kasten, worin die Fallstange, die den Glockenzug beweget, sich befindet, geöffnet, in selben zuerst der Rasthagen A. ausgelöset, welcher die Fallstange C. festhält, diese Fallstange dann auf die Höhe gezogen, bis der Sperhagen B. einfällt und endlich die Zugschnur D den Leichnahm an... die Hand befestiget.

– Zweytens In der Wohnung des Todengräbers, worin der Rettungswecker ist, wird zuerst die außer dem Kastel rechts befindliche Schnur E etwas angezogen, damit das Sperpratzel einfallen kann, und dann wird der Wecker wie eine gewöhnliche Uhr aufgezogen, bis das schwerere Gewicht F oben ansteht. – Nach Beerdigung des Toden, wird der Rasthagen A, welcher die Fallstange C, im Ruhestand tragen soll, wieder eingehängt, damit die Fallstange desto sicherer fest hält.“

Der Rettungswecker hing also im Zimmer des Totengräbers. Der Verstorbene lag im offenen Sarg in der Leichenkammer, mit einer Schnur ums Handgelenk, die über Gestänge mit dem Wecker verbunden war. Wäre er nur scheintot und würde sich bewegen, so löste das beim Wecker ein lautes Geräusch aus.

Der Rettungswecker aus der Sammlung des Bestattungsmuseum ist eine Replik des Originals aus 1828. Dieses befindet sich heute in der Sammlung des Technischen Museums. Der Strafhausverwalter Johann Nepomuk Peter hatte es für den Währinger Friedhof gestiftet (heute der Schubertpark in Wien 18, Währinger Straße/Teschnergasse 31). „Rettungswecker gestiftet von Johann Nepom. Peter k. k. N.O. Provinzial Strafhaus Verwalter im Jahre 1828" ist auf der eingelassene kreisrunden Platte mit Gravur an der Frontseite des Objekts zu lesen.

Viele WienerInnen sollen sich einst wegen des Rettungsweckers für diesen kleinen Friedhof entschieden haben. Auch Beethoven und Schubert ruhten dort – bis sie in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof ihre allerletzte Ruhestätte fanden.

1975 war das Original des Rettungsweckers im Bestattungsmuseum zu bestaunen. Damals gehörte es noch zur Sammlung des mittlerweile geschlossenen Elektropathologischen Museums. Der einstige Mitarbeiter des Bestattungsmuseums Tibor Haniffel, in einem Interview 2013: „Der Oberamtsrat Novak hat mir einen Zeitungsartikel in die Hand gedrückt – das Elektropathologische Museum hat einen Rettungswecker. Ich soll mir das anschauen. Ich bin hingefahren, das war damals im 15. Bezirk, und ich hab mit dem Ingenieur Maresch, ein sehr netter Herr, das angeschaut, und der gibt mir das. Ich hab den dann in meine Tasche reingegeben und das hergebracht.

Das war das Original vom Währinger Ortsfriedhof. Ich habe nix unterschreiben müssen oder weiß Gott was – aber nach einem Jahr hat er das dann reklamiert. Na ja, ich hab ihn dann zurückgetragen. Aber inzwischen habe ich schon im Stadtarchiv das … diesen Plan gefunden, wie das ausgesehen hat. Uhrmacher Schmollgruber in der Burggasse hat das dann nachgebaut.“

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum