Objekt des Monats Dezember 2018

Albert Janesch "Mutter mit Kind"

Fresko-Entwurf
Inv.Nr. BFM-1080
Albert Janesch
Bleistift, Kreide
119 x 74 cm
Um 1925

Das hier vorgestellte Blatt ist einer von vier Entwürfen für Fresken auf dem Wiener Zentralfriedhof sowie für das Krematorium und dessen Friedhof von Albert Janesch (1889–1973). Die signierte Arbeit trägt laut Inventarisierung den Titel „Mutter mit Kind“, ist "um 1925" datiert und war Vorlage für ein Fresko im Urnenhain des Krematoriums.

Die weiteren drei Blätter im identen Format sind bezeichnet mit „Alpenländischer Arbeiter“ („Carton Columbarium Zentralfriedhof“ steht handschriftlich auf der Rückseite), „Greis auf Krücken“ (Hinweis auf der Rückseite: „Zeichnungen Krematorium“) sowie „Sitzender männlicher Akt mit Stundenglas“.

Die drei erstgenannten Arbeiten waren sehr wahrscheinlich in der Herbstausstellung 1932 des Wiener Künstlerhauses zu sehen, dessen Mitglied Janesch war: Unter den Titeln „Mutter und Kind“, „Junger Mann“ und „Alter Mann“ sind sie im Ausstellungskatalog gelistet.  

Neben zahlreichen Ölgemälden, meist Porträts, zeigte die Schau auch den Freskoentwurf „Drei Lebensalter“ für ein Kolumbarium. Diese Arbeit war somit dem gleichen Thema wie die Reihe der Einzelblätter gewidmet.

Zur Ausstellung im Künstlerhaus schrieb die „Neue Freie Presse“ (30. April 1929): „Beim Eintritt in den Mittelsaal des ersten Stockwerkes fallen sofort die Bilder von Janesch, W.V. Krausz und Epstein ins Auge. Der erstere ist ein merkwürdiger Künstler. Er geht stets intensiv auf die Form los, die er präzis, oft bis zur Härte, wiedergibt. […]

Da aber alles, was Janesch macht, kompositorisch und zeichnerisch vorzüglich und mit großem Können durchgeführt ist, so muss man diese Eigenheiten als Merkmale einer jedenfalls interessanten künstlerischen Individualität gelten lassen. Eine schwebende Gestalt (II, 354) für einen Raum des Wiener Krematoriums bestimmt, wird das ihrige tun, um die entsetzlichen, dort angebrachten – eigentlich sehr unangebrachten – Wandmalereien von Kolig […] ganz unmöglich zu machen. […]“

Obwohl Albert Janesch seine Werke für das Krematorium Wien lange Zeit prominent in Lebensläufen und Werkaufstellungen erwähnt, ist nicht bekannt, inwieweit die hier vorgestellten Entwürfe realisiert wurden. Auch Bilddokumente fehlen. 

Noch 1960 listete Janesch in einem Fragebogen zur Ergänzung des Künstlerhaus-Chronik „Wandmalerei Fresken Columbarium, Wandmalerei Wiener Zentralfriedhof (1930), Wandmalerei Aufbahrungshalle Urnen (1930)“. Und der Pressedienst des Wiener Künstlerhauses (Nr. 13, 3. Juni 1969) informierte zum 80. Geburtstag des Künstlers: „Wandmalereien von seiner Hand befinden sich […] im Wiener Zentralfriedhof und in der Aufbahrungshalle der Urnen; für das Columbarium hat Prof. Janesch eindrucksvolle Fresken geschaffen.“

Nur ein großformatiges Gemälde Janeschs aus 1937 war bis 2018 im Urnenaufbahrungsraum des Krematoriums zu sehen. Bei einem Umbau wurde es entfernt. Das Werk zeigt die Auferstehung der Toten mit einer Vielzahl an Figuren, darunter eine Mutter mit Kind. Der hier vorgestellte Entwurf war dafür aber nicht Basis gewesen.

Janesch, heute weitgehend unbekannt, war in der Zwischenkriegszeit ein anerkannter und mehrfach ausgezeichneter Künstler. 1924, 1930 und 1937 erhielt er den (Kunst)preis der Stadt Wien. Auch der gescheiterte Maler Adolf Hitler begeisterte sich für Janesch. Drei seiner Arbeiten erwarb er auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München, wo der Wiener 1937 bis 1944 vertreten war.

1945 wurde über Albert Janesch – er war frühes NSDAP-Mitglied – ein fünfjähriges Berufsverbot verhängt. In den 1950ern fand er erneut Anschluss an die Kunstszene. Albert Janeschs letzte Ruhestätte liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem ehrenhalber gewidmeten Grab in Gruppe 40.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum