Objekt des Monats Oktober 2018

Büste Oskar Siedek, Gründer des Feuerbestattungsvereins "Die Flamme"

Büste Oskar Siedek
Inv.Nr. BFM-1323
Hildegard Frühmann
Ton, bemalt
50 x 40 x 28,5 cm
1933
 

Oskar Siedek war der Vorkämpfer der Feuerbestattung in Österreich. 1885 hatte er gemeinsam mit Julius Anderl den Verein der Freunde der Feuerbestattung „Die Flamme“ gegründet.

Doch trotz des beharrlichen Eintretens für die Legalisierung der Kremation konnte die Feuerhalle Wien-Simmering erst 1922 eröffnet werden. Der Vatikan hatte gläubigen Katholiken die Einäscherung untersagt, klerikale Kreise bemühten sich daher, diese Bestattungsart in Österreich zu verhindern.

Somit mussten Verstorbene, die sich einäschern lassen wollten, nach Gotha überführt werden. Oder nach Reichenberg, dem heutigen Liberec in der Tschechischen Republik. Auch die Errichtung dieser ersten Feuerhalle der Habsburgermonarchie 1914 war Siedeks Engagement zu verdanken.

1933 feierte Oskar Siedek seinen 80. Geburtstag. Auf mehreren Seiten berichtete „Phoenix“ (Nr. 7, 1933, S. 151 ff), die in Wien herausgegebene Verbandszeitschrift der Feuerbestattungsvereine deutscher Sprache, von den Geburtstagsfeierlichkeiten im Wiener Hotel Kummer.

Mit dabei war die internationale Community der Feuerbestatter. Siedek, seit 1904 Präsident der „Flamme“, war seit 1929 auch Ehrenvorsitzender des Verbandes der Feuerbestattungsvereine.

„"Uns Mitarbeiter aber drängt es, unseren Gefühlen der Dankbarkeit und Freude auch einen sichtbaren Ausdruck zu geben, und so erlauben wir uns als Hauptausschuss des Vereines der Freunde der Feuerbestattung „Die Flamme“ in Wien Ihnen Ihre Büste als Ehrengabe zum Ehrentage darzubringen. Dem Manne von Eisen das Denkmal von Erz." […] Den Blicken bot sich die wohlgelungene künstlerische Arbeit der Bildhauerin Frau Hildegard Frühmann.“

Beim hier vorgestellten Objekt aus der Sammlung des Bestattungsmuseums handelt es sich wohl um jene Büste, die Oskar Siedek zum 80. Geburtstag geschenkt bekam. Im genannten „Phönix“-Beitrag ist die Skulptur abgebildet. An der rechten Schulter trägt das Objekt die Signatur "H. Frühmann 1933", auf dem Sockel die Unterschrift Siedeks. Aus Erz ist das Stück jedoch nicht: sondern aus golden bemaltem Ton.

Es ist wahrscheinlich, dass die Büste in den 1960er-Jahren an die Bestattung Wien kam: eventuell als Dauerleihgabe des Wiener Vereins für das 1967 gegründete Bestattungsmuseum. Auch Archivkonvolute des Wiener Vereins von den ausgehenden 1930er- bis in die 1960er-Jahre gehören zum Museumsbestand.

Was haben nun „Die Flamme“ und der „Wiener Verein“, heute eine auf Bestattungsvorsorge konzentrierte Einrichtung, miteinander zu tun? 1934 wurde der Arbeiter-Feuerbestattungsverein „Die Flamme“ aufgelöst, seine Mitglieder dem Verein "Vorsorge" zugewiesen. Dieser wurde wiederum 1938 in den "Ostmärkischen Feuerbestattungsversicherungsverein" integriert – der seit 1942 "Wiener Verein" heißt.

Ein knappes  Jahr nach seinem 80. Geburtstag verstarb Oskar Siedek. Sein Leichnam wurde am 18. April 1934 im Krematorium Wien-Simmering eingeäschert. Die Trauerfeier für den Altkatholiken Siedek leitete der Bischof der altkatholischen Kirche Österreichs. Zu seinen Worten „So legen wir denn, allmächtiger Gott, den Leib in sein Flammengrab“ sank der Sarg mit Siedeks Leichnam in die Tiefe.

Zwei Tage später fand Oskar Siedek auf dem Friedhof Wien-Hietzing seine letzte Ruhestätte. Seine Urne wurde in der Familiengruft (Gruppe 19, Grab Nr. 33) bestattet, wo bereits Sohn und Ehefrau beigesetzt waren. Insgesamt ruhen über ein Dutzend Mitglieder der Familie Siedek in dieser Grabstätte.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum