Objekt des Monats August 2018

Hoke Drei Wächter Urnenaufbahrungsraum Feuerhalle Simmering

Entwurf Glasfenster Urnenaufbahrung
Inv.Nr. BFM-401
Giselbert Hoke
Glas, Deckfarben
38 x 42 cm
1976

Beim hier vorgestellten Objekt handelt es sich um einen Entwurf des österreichischen Künstlers Giselbert Hoke (1927–2015) für die Urnenaufbahrung in der Feuerhalle Wien-Simmering.

„Die beiden Urnenaufbahrungsräume sind durch eine Aluminium-Glaswand getrennt. Der künstlerische Entwurf mit seinem Motiv „Türme“ sowie die Ausführung der Bleiverglasung erfolgte durch den akademischen Maler Herrn Professor Giselbert Hoke“, steht im Geschäftsbericht der Bestattung Wien aus 1977.

Hokes Werk aus 1976 wurde im Zug eines Umbaus im Urnenaufbahrungsraum installiert: Mittels der Glaswand im Format 300 x 340 cm wurde der Raum geteilt – womit zwei Urnenaufbahrungen gleichzeitig möglich waren. Der Urnenaufbahrungsraum befindet sich nicht im Krematoriumsbau von Clemens Holzmeister, sondern im Verwaltungsgebäude am Eingang des Friedhofs Feuerhalle.

Zum Bildinhalt dürfte es kaum Vorgaben gegeben haben. Denn dem oben genannten Titel „Türme“ – vielleicht eine Assoziation zur turmbewehrten Umfassungsmauer des Friedhofs Feuerhalle – steht der von Hoke genutzte Titel „Die Wächter“ gegenüber. Eventuell wurde die Bezeichnung auch erst nachträglich fixiert: als 1988 ein Ausschnitt aus der Komposition mit zwei Wächtern eine Marke der Österreichischen Post zierte.

Aktuell wird der Urnenaufbahrungsraum umgebaut. Wie ursprünglich wird er künftig nur mehr einen Urnenaufbahrungsplatz beherbergen. Giselbert Hokes Glasgemälde bleibt erhalten: nicht mehr als Trennwand, sondern schräg in den Raum gestellt als Dekorationselement.

Warum erfolgt eine Reduktion der Urnenaufbahrung, obwohl immer mehr Menschen die Einäscherung bevorzugen? Weil es in der Vergangenheit oft zwei Abschiedsfeiern gab – eine im Krematorium vor der Verbrennung und eine zweite mit der aschegefüllten Urne vor der Beisetzung. Doch wird heute meist die eine oder die andere gewählt.

Eine Zusammenarbeit zwischen Giselbert Hoke und der Bestattung Wien gab es bereits vor dem hier beschriebenen Oeuvre. Er schuf eine großformatige Arbeit für die Aufbahrungshalle 1 des Wiener Zentralfriedhofs und das monumentale, über sechs Meter hohe Glasfenster an der Stirnwand des Krematorium-Zentralraums.

Giselbert Hokes bekanntestes Werk sind die über 20 Meter langen Fresken im Klagenfurter Hauptbahnhof: Die „Wand der Kläger“ steht der „Wand der Angeklagten“ gegenüber, was 1956 für einen Kunstskandal sorgte. Auch seine letzte Ruhestätte fand der Künstler in Kärnten: in der Kapelle von Schloss Saager, das er schon in den 1960er-Jahren erworben hatte.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum