Objekt des Monats Jänner 2018

Zeremoniell Entreprise des Pompes Funèbres

Titelblatt des Zeremoniells der
„Entreprise des Pompes Funèbres“
Inv.Nr. BFM-292
Farblithografie
16,5 x 24 cm
Wien, um 1880

Mit Erlass des k.k. Ministeriums des Inneren vom 16. Juni 1867 wurde Franz Josef Grüll, „Händler mit Trauerwaren und Aufbahrungsgegenständen, Kärnthnerstraße Nr. 21“, die Bewilligung zur Gründung einer Unternehmung in Wien für die Besorgung von Leichenausstattungen und der mit den Leichenkondukten außerhalb der Kirche verbundenen Funktionen, „das ist die Aufbahrung im Sterbehaus, die Überführung des Leichnams in die Kirche und von da zum Friedhof‘, erteilt.

Auffällig und klug gewählt war der Name dieses ersten privaten Wiener Bestattungsunternehmens: „Entreprise des Pompes Funèbres“, die französische Bezeichnung für „Bestatter“. Denn Französisch war über Jahrhunderte die „erste Sprache“ an Adelshöfen wie dem Wiener Kaiserhof und daher entsprechend angesehen.

Gerade das Wienerische übernahm viele Lehnwörter von Trottoir bis vis-à-vis. Nur mit der Aussprache des Französischen tat sich das „gemeine Volk“ schwer. So wurde aus der Entreprise des Pompes Funèbres der „Pompfüneberer“, bis heute der Begriff für Bestatter.

Der Hauptstandort der Entreprise des Pompes Funèbres lag in Wien 4, Goldeggasse 19, wie das hier vorgestellte Titelblatt des Zeremoniells, also eines Angebotskatalogs, verrät. Dort befanden sich Direktion und Lager der „Ersten Wiener Leichenbestattungs-Anstalt“.

In bester Lage war der „Showroom“ situiert: auf der Kärnthnerstrasse 21, damals wie heute eine der bekanntesten Einkaufsstraßen Wiens. Das „Muster-Lager der k.k. priv. Metall-Särge, von Sarg-Einrichtungen, Kränzen, Laternen etc.“ konnte somit bei keiner Shoppingtour übersehen werden.

An den Schauraum angeschlossen war eine Servicestelle, die Bestattungsaufträge entgegennahm. Auch die weiteren "Aufnahms-Bureaux" befanden sich an Hauptstraßen wie Praterstraße, Mariahilferstraße und Lerchenfelderstraße, eines zudem im Headquarter in der Goldeggasse 19 in Wien 4. Die Entreprise verfügte also über ein stadtweites Filialnetz.

Das Zeremoniell selbst, dessen Cover hier gezeigt wird, war ein 30-seitiges, gebundenes Büchlein. Es bildete die Produktpalette der Entreprise des Pompes Funèbres wie prächtige Särge, die verschiedenen Aufbahrungsklassen und das breite Spektrum an Trauerkutschen ab.

Um 1900 gab es in Wien bereits 80 Bestatter und heftige Konkurrenz. Daher kaufte die Stadt die Entreprise des Pompes Funèbres sowie die Bestattung Concordia auf, fusionierte sie und am 1. Juli 1907 nahm die daraus hervorgegangene „Gemeinde Wien – Städtische Leichenbestattung", die heutige Bestattung Wien, ihren Betrieb auf.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum