Objekt des Monats Dezember 2017

Sarkophag Kardinal Gruscha

Sarkophag Kardinal Gruscha
Inv.Nr. BFM-302
Zinkblech, vergoldet
74 x 213 x 69 cm
Um 1910
Herkunft: Wiener Stephansdom

Der Sarkophag aus blattvergoldetem Zinkblech wurde Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt. Er ist an Ober- und Unterteil vielfach mit Ornamenten verziert: Rosetten und Rocaillen, Efeu- und Akanthusblättern. Auf dem Sargdeckel ist ein vergoldeter Christus am Kreuz angebracht.

In diesem Sarg war der Wiener Kardinal Anton Gruscha 1911 in der Barbarakapelle des Stephansdoms beigesetzt worden. Anlässlich der Renovierung der Kapelle in den 1980er-Jahren wurden Gruscha (1820–1911) und der gleichfalls dort bestattete Kardinal Franz Xaver Nagl (1855–1913) exhumiert, umgebettet und erneut beigesetzt.

Beide Särge – die Geistlichen ruhten in identen Modellen – fanden sich in eineinhalb Meter tiefen Grüften, kaum größer als die Sarkophage selbst. Die Sarg-Unterteile waren durch ausgetretene Körperflüssigkeiten korrodiert. Die Blattgoldbeschichtung war nur mehr teilweise vorhanden. Ein Wassereintritt hatte weitere Spuren auf dem Deckel von Gruschas Sarg hinterlassen.

Kardinal Gruscha war in einen Innensarg gebettet: einem Zinkbleicheinsatz mit Sichtfenster in Kopfhöhe. Darüber war ein Überthan aus grünem Organtin gebreitet. Dieses feine Textil sollte bei Aufbahrungen Fliegen vom Leichnam fernhalten. Unter dem Organtin fand sich ein 30 x 50 cm großes Stück Papier mit Namen, Geburts- und Sterbedatum sowie dem fürstbischöflichen Wappen des kirchlichen Würdenträgers.

„ … die Leiche war mit sämtlichen Pontifikalgewändern bekleidet worden (Ring und Pektorale ausgenommen) …, auch das Pallium wurde gegeben, wobei man vergaß, die drei mit kostbaren Perlen versehenen, dem Bistum gehörigen Nadeln herauszunehmen (Wert ca. 3.000 Kronen), welche daher ins Grab kamen“ steht im Protokoll zur Leichenfeier. Diese Goldnadeln fanden sich bei der Umbettung.

Gruschas Bekleidung, eine Kasel aus dem 18. Jahrhundert, zeigte 80 Jahre nach dem Begräbnis Verrottungserscheinungen. In den Händen hielt er ein Sterbekreuz. Sein Körper war mit einem weißen Seidenband am Sargeinsatz festgegurtet worden. Die Sargeinbettung bestand aus einer mit Seegras gefüllten Matratze sowie einem mit Sägespänen gestopften Polster.

Als Dank für die unentgeltliche Umbettung der Kardinäle wurde der Sarg Anton Gruschas der Gemeinde Wien – Städtische Leichenbestattung, heute die Bestattung Wien, für das Bestattungsmuseum übergeben. 1983 wurde er an der Hochschule für angewandte Kunst restauriert und anschließend im Bestattungsmuseum gezeigt. Die beiden Kardinäle fanden in der Bischofsgruft des Stephansdoms ihre allerletzte Ruhestätte.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum