Objekt des Monats November 2017

Max Hegele vor Staffelei Luegerkirche

Porträt Max Hegele
Inv.Nr. BFM-1461
Fotografie (Repro)
23,8 x 17,9 cm
Um 1900

Die Friedhofskirche des Wiener Zentralfriedhofs ist neben der Kirche am Steinhof Wiens zweite große Jugendstilkirche. Geplant wurde sie von Max Hegele (1873 – 1945). Die vorgestellte Fotografie zeigt den Architekten – und auf der Staffelei neben ihm den Entwurf des Gotteshauses.

Hegele hatte 1899 an einem Wettbewerb für mehrere Bauten auf dem Wiener Zentralfriedhof teilgenommen. Mit gerade 27 Jahren gewann der Wiener das prestigeträchtige Verfahren mit Entwürfen für das monumentale Hauptportal, die Aufbahrungshallen 1 und 2 (in deren Untergeschoß sich seit 2014 das Bestattungsmuseum befindet) und das Kirchengebäude.

Der Grundstein der Kirche wurde aber erst ein knappes Jahrzehnt später gelegt: vom damaligen Wiener Bürgermeister Karl Lueger, der auch in der Krypta des Baus bestattet liegt. Deshalb wird der 1911 dem Hl. Karl Borromäus geweihte Andachtsort meist als Luegerkirche bezeichnet.

Die strahlend weiße Kirche mit ihrer mächtigen Kuppel fällt bereits beim Durchschreiten des Friedhofportals ins Auge. Hegele ließ sich dafür von der barocken Wiener Karlskirche – und damit der Peterskirche in Rom – inspirieren. Aber in den Details ist das Gotteshaus ganz dem Jugendstil verpflichtet, der am Kirchenäußeren eine eher strenge Ausprägung fand.  

Dass der Hegele-Bau von Otto Wagners Kirche am Steinhof beeinflusst und er ein Schüler des großen und um mehr als dreißig Jahre älteren Architekten gewesen wäre, ist nicht korrekt. Zwar war die Kirche am Steinhof früher vollendet als jene auf dem Wiener Zentralfriedhof, aber Wagners Pläne datieren einige Jahre nach denen Hegeles.

Max Hegeles Entwürfe für den Wiener Zentralfriedhof waren der Startpunkt seiner Karriere und der Schritt in die Selbständigkeit mit eigenem Atelier. Ab 1908 war er zudem Professor an der Staatsgewerbeschule in Wien. Er erhielt weitere Aufträge für Sakralbauten, designte eine Reihe von Wiener Wohn- und Geschäftshäusern und schuf die reizvolle Fillgrader-Stiege, die in Wiens 6. Bezirk die Mariahilfer Straße mit der Gumpendorfer Straße verbindet.

Die letzte Ruhestätte Hegeles befindet sich in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Friedhof Hadersdorf-Weidlingau im Westen Wiens. Die Friedhofskapelle ist gleichfalls eines seiner Werke, ebenso die dortigen Grabmäler der Wiener Kaufhaus-Dynastie Herzmansky.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum