50 Jahre Bestattungsmuseum Wien

Gründung des Bestattungsmuseums 1967

1967 – 2017
Das älteste Bestattungsmuseum der Welt feiert Geburtstag

„Was wollen Sie denn mit dem Klumpert?“ Uniformen und Bahrtücher, Funeralwappen und Vortragkreuze, Urnen und die riesigen Räder historischer Pracht-Leichenkutschen: Fast zwei Jahrzehnte lang trug Hans Novak, Abteilungsleiter der Gemeinde Wien – Städtische Leichenbestattung, Stücke aus der Vergangenheit des 1907 gegründeten Unternehmens zusammen. Belächelt, aber unverdrossen.

Sogar eine Art Fanclub hatte der bestens in der Wiener Kulturszene vernetzte Novak gegründet, um sein Ziel zu erreichen: die Geschichte der Pompfüneberer und damit ein Stück Wiener Kulturgeschichte vor dem Vergessen zu bewahren. 1967 wurde das Bestattungsmuseum in der ehemaligen Zentrale der Bestattung Wien in Wien-Wieden eröffnet.

Erstes Bestattungsmuseum der Welt

Langsam wurde auch das Unternehmen stolz auf sein Museum. 1975 wurde die Ein-Raum-Einrichtung um das Dreifache vergrößert. Die Gestaltung war großzügig, luftig und transparent. Die Ausstellungsarchitektur verantwortete weiterhin Star-Architekt Erich Boltenstern.

Die Sammlung wurde laufend erweitert. Aufsehen erregende Objekte dominierten die Präsentation. Sie gehören bis heute zu den wichtigsten Exponaten: etwa die Replik eines wieder verwendbaren Sparsargs aus dem 18. Jahrhundert oder der Rettungswecker für Scheintote. Mit diesem Ausstellungskonzept erreichte das bis dahin nur Experten bekannte Museum eine breitere Öffentlichkeit.

Die „Schöne Leich“ als Storyline

1987 wurde das Museum auf gleicher Fläche neu aufgestellt. Die „Schöne Leich“ war der Grundgedanke der Neupräsentation. Die Ausstellung wurde verdichtet, weit mehr Objekte wurden gezeigt.

Die nächsten zwei Jahrzehnte veränderte sich die Permanentschau nur in Details. Aber die Besucherzahlen stiegen in den 2000er-Jahren enorm. Vor allem mit der Teilnahme des Bestattungsmuseums an der „Langen Nacht der Museen“ erreichte das Museum einen hohen Bekanntheitsgrad. Das Sarg-Probeliegen war der Hit dieses nächtlichen Kulturevents, Tausende wollten wissen, wie es sich in der letzten Hülle liegt.

Neuer Standort Wiener Zentralfriedhof

2013 wurde das Bestattungsmuseum an seinem ersten Standort geschlossen. Und im Oktober 2014 auf dem Wiener Zentralfriedhof wieder eröffnet. Situiert im Untergeschoß der Aufbahrungshalle 2 wurde die Storyline der „schönen Leich“ ebenso beibehalten wie die wichtigsten Objekte weiterhin ausgestellt waren – doch wurden sie in ein völlig neues Licht gerückt.

Denn die Lage der Ausstellung auf Grabniveau bestimmte deren Gestaltung. Eine Rampe führt ins Bestattungsmuseum hinab. Im Eingangsbereich ist das Licht gedämpft. In der Permanentschau sind nur Vitrinen und Objekte ausgeleuchtet, der Raum selbst bleibt im Dunklen. 250 Objekte werden auf knapp 300 Quadratmetern gezeigt, zusätzlich eine Fülle an Bildern in Videos und auf Touchscreens.

An einer Audiostation kann man die Hitliste der Trauermusik auf dem Wiener Zentralfriedhof hören. Eine gelungene Neupräsentation des Museums wenige Jahre vor seinem runden Geburtstag. „Happy Birthday!“