Objekt des Monats September 2017

Musikeruniform

Musikeruniform
Inv.Nr. BFM-85
Tuch, Silberborten, Silberemblem, Federn
Rock 110 x 51 cm, Tschako 33 x 19 x 24 cm
Frühes 20. Jh.

Die vorgestellte Musikeruniform besteht aus einem schwarzen Rock und einem Tschako mit weißem Federbuschen. Dass es sich um die Kopfbedeckung eines Musikers handelt, demonstriert das silberne Emblem an dessen Stirnseite: Es zeigt eine Leier mit Vogelkopf, womit gleich zweifach an das Thema Musik erinnert wird, dazu Efeuzweige mit Bändern.

Der Korpus des Tschako ist mit schwarzem Tuch überzogen und einer Silberborte besetzt, sein Schirm wie auch ein umlaufendes Band bestehen aus schwarz lackiertem Karton. Ursprünglich war der Tschako, der Begriff kommt aus dem Ungarischen, eine militärische Kopfbedeckung.

Auch der Rock mit Stehkragen ist mit Silberborte dekoriert, ebenso mit silbernen Fangschnüren. Seine Metallknöpfe zeigen einen Doppeladler mit Stadt-Wien-Wappen: ein Hinweis, dass die Uniform aus dem Monturdepot der Gemeinde Wien – Städtische Leichenbestattung, heute die Bestattung Wien, stammt. 

Die Herkunft der Uniform wird im Datenblatt allerdings mit dem Bestattungsunternehmen Grabenhofer in Hainburg, Niederösterreich, angeführt. Vermutlich hat dieser Bestatter die Uniform angekauft, als die Wiener Bestattung sie nicht mehr benötigte; eine gängige Praxis bis in die 2000er-Jahre. Das Kleidungsstück wurde wahrscheinlich vom einstigen Besitzer Jahre später für museale Zwecke "zurückgeholt".

Die 1907 gegründete Gemeinde Wien – Städtische Leichenbestattung bot laut ihrem aus den Anfangsjahren stammenden "Zeremoniell und Tarif für Aufbahrungen und Leichenbegängnisse“ in allen Bestattungsklassen Musik, ausgenommen war nur die bescheidene VI. Klasse. Diese Bestattungsklassen unterschieden sich voneinander etwa durch die Uniformen der Mitarbeiter, aber auch deren Zahl beim Trauerzug. Insgesamt gab es fast ein Dutzend Klassen: über den Klassen I bis VI noch besonders exklusive Angebote für die "Schöne Leich" mit der Pracht-Klasse an der Spitze.

„Die Uniform der Trauer-Musikkapelle und die Trauer-Livree der Leichen- und Fackelträger sind reich mit Silber betreßt nach I. Klasse und sind die Tschakos der Musiker mit weißen Straußfederbüschen versehen", steht im Zeremoniell. In der II. Klasse waren die Tschakos – wie das hier beschriebene Sammlungsstück – mit weißen Schwanenfederbüschen dekoriert, in der III., IV. und V. Klasse mit weißen Haarbüschen.

Schwarze Straußenfedern dürften die Pracht-Klasse gekennzeichnet haben. Zwar nennt das Zeremoniell das nicht explizit, aber: „Sämtliche Funktionäre, Dienerschaften und Mannschaften erscheinen in reichster Trauer-Livree der Prachtklasse, ganz schwarz.“

Bei der Pracht-Klasse spielte eine Kapelle mit 30 Musikern bei der „Überführung und Übertragung nach der Kirche“ auf. Bei der I. Bestattungsklasse sorgten 16 Musikanten für den guten Ton, in den niederen Klassen immerhin noch sechs Personen. Gespielt wurden hauptsächlich Trauermärsche – womit auch die Gehgeschwindigkeit des Trauerzugs festgelegt war.

Zusätzlich kamen Musiker der Kirche zum Einsatz. So wurde die "Durchaus getragene Leiche" der I. Klasse auch von "kirchlichen Sängern und Posaunisten" begleitet. Die Einsegnung in der Kirche wird laut Zermoniell "unter Absingung des Miserere und der Motetten vollzogen. Außerdem wird das Libera exekutiert und wird der kirchliche Gesang von 4 Posaunen begleitet. Nach verrichtetem Gebet wird die Feier durch Ausführung eines Männer-Quartettes geschlossen."

Die Tarifunterschiede zwischen den Bestattungsklassen waren gewaltig: Die VI. Klasse war um 55 Kronen zu haben, die Pracht-Klasse kostete 4.800 Kronen.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Manfred Seidl