Objekt des Monats August 2017

Metallurne

"Klavier-Urne"
Inv.Nr. BFM-1365
Neusilber, Kupfer
30 x 18 cm
1996
Willibald Völsing KG

Diese Urne gehörte zu den wenigen Urnenmodellen, die die Bestattung Wien bis in die 2000er-Jahre angeboten hat. Bezogen wurde sie beim deutschen Urnenlieferanten Völsing. Er hatte das Aschenbehältnis in den frühen 1970er-Jahren entwickelt.

Das Gefäß besteht aus Neusilber und Kupfer. Die Urne steht auf einem Fuß. Sie ist nicht wie gewohnt mit einem Deckel versehen, sondern Ober- und Unterteil stoßen etwa in der Mitte des Urnenkörpers zusammen. An dieser Stelle findet sich das umlaufende Dekorband.

Weil dessen Design an Klaviertasten erinnert, war unter den Mitarbeitern auf den Wiener Friedhöfen der Begriff „Klavierurne“ gängig. Im Katalog der Bestattung Wien lautete die Bezeichnung aber „Kupferurne Z Meran“. Anbieter Völsing wiederum gebrauchte intern die Begriffe "Licht und Schatten". Nach Wien lieferte der 1948 gegründete Urnenanbieter „sehr hohe Stückzahlen“ dieses Modells.

Um 2007 hat die Bestattung Wien ihr Urnenprogramm beträchtlich erweitert. Seither gibt es Urnen in allen möglichen Farben, Formen und Materialien. Die „Klavierurne“ aber wurde bald danach aus dem Sortiment genommen. Bei Völsing gibt es auch von anderen Bestattern keine Nachfrage mehr nach diesem Modell. Prinzipiell wäre es noch erhältlich. 

In Wien werden aktuell rund ein Drittel der Verstorbenen eingeäschert. In Deutschland oder der Schweiz ist der Prozentsatz der Feuerbestattungen bei Weitem höher. Allerdings entscheiden sich auch immer mehr Wienerinnen und Wiener für eine Einäscherung. 

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien