Objekt des Monats Juni 2017

Ladenschlussmitteilung mit Trauerrand anlässlich des Begräbnisses von Maximilian von Mexiko 1868

Ladenschlussmitteilung mit Trauerrand
Inv.Nr. BFM-161
Druck auf Papier
22,5 x 29 cm
Wien, 1868

Am 19. Juni 1867 wurde Kaiser Maximilian von Mexiko erschossen: in Querétaro, 200 Kilometer nördlich von Mexiko City. Ein Kriegsgericht hatte ihn zum Tod verurteilt. Maximilian war der jüngere Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph I.

Er stand zeitlebens in dessen Schatten. Als Frankreichs Kaiser Napoleon III. Maximilian die Kaiserkrone von Mexiko anbot, nahm dieser ehrgeizig an. Freilich war der Habsburger der Meinung, im Sinn des mexikanischen Volks zu handeln, wie Napoleon ihm versichert hatte.

Doch die Mexikaner standen in der Mehrheit hinter ihrem Präsidenten, Benito Juárez. Nur eine kleine klerikale Minderheit – diese wurde von im Land stationierten französischen Truppen unterstützt – hatte andere Ziele. Ein Bürgerkrieg tobte.

„Es geht uns Gott sei Dank gut, und wir leben uns mehr und mehr in die hiesigen Verhältnisse hinein“, berichtete Maximilian 1864 nach Wien. Aber er konnte weder Frieden noch Ordnung herstellen. Nach dem Abzug der Franzosen verlor er jeglichen Rückhalt, Juárez ließ ihn gefangen nehmen. „Fest im Glauben und treu meiner Ehre gehe ich mit ruhigem Bewußtsein dem unverdienten Tode entgegen“, schrieb der 35-Jährige an seine Mutter.

Dem Exekutionskommando schenkte er Goldmünzen und bat, sein Gesicht zu schonen. Als Maximilians Gattin Charlotte vom Tod ihres Mannes erfuhr, wurde sie wahnsinnig. Sie war nach Europa gereist, um den Papst um Hilfe zu bitten - und überlebte Maximilian um 60 Jahre.

Franz Joseph I. konnte seinen Bruder Monate nach der Hinrichtung nach Wien überführen. Am 18. Jänner 1868 fand die Beisetzung in der Kaisergruft am Neuen Markt statt. Geschäfte blieben anlässlich der hohen Leichenfeier geschlossen, wie die hier vorgestellte Ladenschlussmitteilung demonstriert.

„In den Straßen der Stadt sowie der Vorstädte herrschte heute von 12 Uhr an eine Bewegung, wie wir sie seit Jahren nicht erlebt; Alles strömte gegen die Burg, den Lobkowitzplatz und den Mehlmarkt, um der feierlichen Bestattung des Kaisers Maximilian beizuwohnen. […] Die Fenster aller Gebäude, namentlich aber jene des Augustinerklosters, waren vom Publicum in dichten Reihen, insbesondere Damen, besetzt“ berichtete die „Neue Freie Presse“ am Tag danach.

Sechs Schimmel (!) zogen die Trauerkutsche zur schwarz ausgeschlagenen Kapuzinerkirche. Der Fußboden war mit schwarzem Tuch bedeckt, an den Wänden hingen mexikanische Kaiserwappen. Matrosen hoben den Sarg vom Wagen. Maximilian hatte einst die k.k. Marine befehligt. Funeralinsignien waren Teil der Aufbahrung: eine Kopie der mexikanischen Kaiserkrone aus vergoldetem Holz und ein ebensolches Szepter.

Mexikos letzter Kaiser wurde in der Familien-Grablege der Habsburger in Wien beigesetzt. Maximilians schlichter Sarg  in der Kapuzinergruft fällt auf: Stets liegen dort Blumengrüße und Briefchen, die mexikanische Touristen hinterlassen.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum