Objekt des Monats Juli 2017

Aufbahrung Kaiser Franz I.

Aufbahrung Kaiser Franz I.
Inv.Nr. BFM-160
Kupferstich, koloriert
27,5 x 37 cm
Wien, 1835

„Ausstellung des Leichnams Sr. Höchstseligen Majestät des Kaysers und Königs Franz des I auf dem Schaubette, in der Hof-Burg-Capelle. 1835 den 4t., 5t. u: 6t. März“: Am 2. März 1835 starb Kaiser Franz I. in Wien. 43 Jahre lang hatte er nicht nur das Habsburgerreich regiert. Bis 1806 war er auch – als Franz II. – Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.

Der verstorbene Herrscher wurde drei Tage lang in der Kapelle der Wiener Hofburg aufgebahrt. Der Raum war mit schwarzen Tüchern ausgekleidet, Trauerwappen waren daran befestigt: Sie zeigen das Wappen des Verstorbenen sowie sein Sterbejahr. Ebenso ist ein gigantisches Kreuz zu sehen.

Franz I. ruhte in einem offenen Sarg, auf einen hohen Polster gebettet: in Galauniform mit weißer Jacke und roter Hose sowie schwarzen Stiefeln. Der Kupferstich in zeitgenössischem Kolorit zeigt auch zahlreiche Orden auf seiner linken Brust. Details der Darstellung könnten der Fantasie des Kupferstechers zuzuschreiben sein.

Der Verstorbene war Erzherzog und Kaiser von Österreich, König von Böhmen, von Ungarn und von Lombardo-Venetien. Für all diese Herrschaften wurden Kronen oder Fürstenhüte neben ihm platziert. Auch militärische Symbole wie der Degen des Kaisers waren Teil der Inszenierung, ebenso Orden und Bänder auf Pölstern. Die Leibgarde, mit Hellebarde oder gezücktem Säbel „bewaffnet“, bewachte den allerhöchsten Leichnam.

Das „Schaubett“ Franz I., ein hohes Podest, ist auf vier Treppenstufen dicht mit Kandelabern bestanden. Licht war – und ist – ein bedeutendes Element von Trauerfeiern. Es symbolisiert im christlichen Glauben den auferstandenen Christus und damit die Hoffnung auf die eigene Auferstehung.

Die öffentliche Zurschaustellung, die Totenfeiern und der protokollarisch geregelte Trauerzug von der Wiener Hofburg zur Kapuzinerkirche waren Mittel dynastischer Repräsentation. Sie sollten der Öffentlichkeit die Macht und Herrlichkeit des Verstorbenen vor Augen führen. Franz' I. letzte Ruhestätte liegt in der Kaisergruft unter der Kapuzinerkirche. Sein Sarg ist von jenen seiner vier Gattinnen umringt.

Der vorgestellte Kupferstich wurde in Wien produziert und vertrieben. „Wien 1835, bei C. Seipp, Kupferstecher u: Verleger, Wieden 312, und bei F. Steuer, Kupferstichhändler. Stadt Michaelerhaus“ ist rechts unterhalb der Illustration vermerkt. Wieden, damals noch außerhalb der Wiener Stadtmauern gelegen, bildet seit 1850 den vierten Wiener Gemeindebezirk. Und das Michaelerhaus – es gibt ein großes und ein kleines – liegt unmittelbar vor der Hofburg auf dem Michaelerplatz.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum