Objekt des Monats Mai 2017

Sargbibel

Sargbuch mit Christus, Maria und Evangelisten
Inv.Nr. BFM-248
Holz, Samtüberzug, Sockel vernickelt,
Blattgold, Messing, Feuervergoldung
45 x 34 x 16,5 cm
Anf. 20. Jh.

Es war früher üblich, während der kirchlichen Feier, besonders aber beim Trauerzug, den Sarg mit Sargparamenten zu schmücken. Als Sargparament wurden meist Kreuze, Madonnenstatuen oder Bibelattrappen, von denen hier eine vorgestellt wird, verwendet.

Der Korpus des Objekts besteht aus Holz, das mit violettem Samt überzogen wurde. Reiche Beschläge aus teilweise feuervergoldetem Messing verzieren das Sargbuch. So Christus, ein junger bärtiger Mann in langer Tunika mit Mantel, der die Mitte der Vorderseite der Bibel einnimmt. Auf der Rückseite wurde die Gottesmutter Maria in diese zentrale Position gerückt.

Christus und Maria werden von einem ovalen Beschlag umkränzt – ähnlich einer Mandorla, einem Heiligenschein in Mandelform, der den ganzen Körper umhüllt. Beide stehen auf einem Wolkengebilde und treten mit dem Fuß auf den Kopf einer Schlange: In der Bibel ist sie das Sinnbild für Versuchung und Verführung, für das Böse, den Teufel.

In den vier Ecken der Sargbibel finden sich auf der Vorder- wie der Rückseite die vier Evangelisten mit ihren Attributen: links oben Matthäus mit dem Engel, rechts oben Johannes mit dem Adler, links unten Lukas mit dem Stier und rechts unten Markus mit dem Löwen. Auch sie sind von vergoldeten Beschlägen umringt. Den Sockel des Objekts schmücken trauernde Kinderengel. Der Blattteil der Bibel wurde mit Blattgold belegt.

Sargparamente wurden über dem Bahrtuch am Sarg aufgeschnallt. Dazu hatte das Objekt im Sockel einen Schlitz zum Durchziehen eines Riemens. Historische Bahrtücher verfügten gleichfalls über entsprechende Öffnungen.

Das vorgestellte Sammlungsstück war ursprünglich im Besitz des Bestattungsunternehmens Richard Grabenhofer in Traiskirchen, Niederösterreich.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Harringer