Objekt des Monats April 2017

Überführung von Haydns Schädel 1954 nach Eisenstadt

Überführung von Haydns Schädel
Inv.Nr. BFM-1469
Foto
18,8 x 26,5 cm
1954

Das hier vorgestellte Foto zeigt Mitarbeiter der Wiener Städtischen Bestattung, die den Schädel Joseph Haydns (1732–1809) zur Überführung nach Eisenstadt vorbereiten.

Joseph Haydn starb am 31. Mai 1809 in Wien. Beigesetzt wurde er auf dem Hundsturmer Friedhof, heute der Haydn-Park am Gaudenzdorfer Gürtel. Drei Tage nach dem Begräbnis entwendeten Anhänger der Gallschen Schädellehre Haydns Kopf. Dazu hatten sie unter anderem einen Totengräber bestochen. Mit Hilfe des Schädels wollten die Männer die Theorie unterstützen, dass ein Genie – und Haydn galt als solches – an seiner Kopfform erkennbar sei.

Einer der Grabschänder war Joseph Carl Rosenbaum, Sekretär von Fürst Nikolaus Esterházy. Auch Haydn hatte für den ungarischen Adeligen viele Jahrzehnte lang gearbeitet.

Esterházy wollte 1820 Haydns sterbliche Überreste nach Eisenstadt überführen und in der dortigen Bergkirche beisetzen lassen. Eisenstadt, heute die Hauptstadt von Österreichs östlichstem Bundesland Burgenland – lag bis nach dem Ersten Weltkrieg in Ungarn. Bei der Exhumierung wurde bemerkt, dass der Kopf des Komponisten fehlte ...

Der Körper wurde an der neuen Ruhestätte wieder bestattet, ein falscher Kopf hinzugefügt. Der richtige Schädel gelangte über mehrere Besitzer 1852 an den Anatomen Carl Rokitansky. Dessen Söhne übergaben ihn 1895 der Gesellschaft der Musikfreunde.

Noch im gleichen Jahr wurde Haydns Cranium im Museum der Gesellschaft der Musikfreunde in einem – mit einer Lyra geschmückten – Glaskasten ausgestellt. Das Museum befindet sich im Musikverein, aus dem alljährlich das Neujahrskonzert in alle Welt übertragen wird.

Die Gesellschaft der Musikfreunde weigerte sich jahrzehntelang, Haydns Kopf herauszugeben. Erst am 5. Juni 1954 konnte die Städtische Bestattung Wiens das Cranium in einem feierlichen Kondukt nach Eisenstadt überführen. Die Mitarbeiter trugen zu diesem Anlass erstmals die neuen Uniformen.

Für den Transport von Haydns Schädels war ein „Kopfkoffer“ angefertigt worden. Er befindet sich im Besitz der Gesellschaft der Musikfreunde. Der Entwurf des Behältnisses ist im Bestattungsmuseum zu sehen.

Der – blinde – Bildhauer Gustinus Ambrosi übernahm es, den Schädel des großen Klassikers zum Körper zu legen. Seit 1932 ruhte Joseph Haydn in einem Sarkophag im Haydn-Mausoleum, einem von der Familie Esterházy errichteten prächtigen Ausbau der Eisenstädter Bergkirche unter deren Nordturm.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum