Objekt des Monats März 2017

Einladung zu Beethovens Trauerfeier

Einladung zu Beethovens Begräbnis
Inv.Nr. BFM-360
Papier
12,2 x 18,5 cm
1827
Druck: Anton Strauß, Wien

„Einladung zu Ludwig van Beethovens Leichenbegängniss, welches am 29. März um 3 Uhr Nachmittags Statt finden wird. --- Man versammelt sich in der Wohnung des Verstorbenen im Schwarzspanier-Hause Nr. 200, am Glacis vor dem Schottenthore. Der Zug begibt sich von da nach der Dreyfaltigkeits-Kirche bey den P.P. Minoriten in der Alsergasse. --- Die musikalische Welt erlitt den unersetzlichen Verlust des berühmten Tondichters am 26. März 1827 Abends gegen 6 Uhr. Beethoven starb an den Folgen der Wassersucht im 56. Jahre seines Alters, nach empfangenen heil. Sacramenten. Der Tag der Exequien wird nachträglich bekannt gemacht von L. van Beethoven’s Verehrern und Freunden.“ So lautet der Text auf der hier vorgestellten Einladung zu Beethovens Trauerfeier.

Mit 17 Jahren war der 1770 in Bonn geborene Komponist erstmals nach Wien gekommen. Als 22-Jähriger kehrte er zurück, für immer. 35 Jahre lang war Wien Ludwig van Beethovens Lebensmittelpunkt.

Am 26. März 1827 starb er im Schwarzspanierhaus (heute Wien 9., Schwarzspanierstraße 15). Das nicht mehr existente Gebäude war Teil eines zu Beethovens Zeiten bereits abgesiedelten Klosters. Dessen Mönche waren aus Spanien gekommen, schwarz gekleidete Benediktiner.

Eineinhalb Jahre lang lebte der völlig taube Komponist in seinem letzten Domizil. Bereits beim Einzug war er schwer krank, litt an einem Ödem (damals als Wassersucht bezeichnet) im Bauchbereich und einer Leber-Zirrhose. Kurz vor seinem Tod kam eine Lungenentzündung hinzu.

Unmittelbar nach Beethovens Ableben ließen seine Bewunderer und Freunde die Einladungskarte zum Begräbnis drucken. „Diese Karte wird in Tob. Haslingers Musikhandlung verteilt“, steht am unteren Rand des Blatts. Tobias Haslinger und Beethoven hatten nicht nur geschäftliche Beziehungen, sie waren – bis sie sich zerstritten – auch befreundet. Haslinger verlegte alle bedeutenden Komponisten seiner Zeit und belieferte zudem den Kaiserhof.

Zwischen 10.000 und 20.000 Menschen, darunter viele Prominente, kamen zum Begräbnis am 29. März 1827. Sänger der Hofoper sangen Bernhard Webers „Rasch tritt der Tod den Menschen an“ im Hof des Sterbehauses, wo Beethovens Sarg abgestellt war. Hier wie auch in der wenige hundert Meter entfernten Dreifaltigkeitskirche der Minoriten war wegen des großen Gedränges Militärschutz nötig.

Auf dem Weg dorthin gingen bedeutende Künstler wie Franz Schubert unmittelbar neben dem Sarg. Sie trugen Kerzen und Fackeln oder hielten die Zipfel des Bahrtuchs, das den mit Kränzen geschmückten Sarg bedeckte. Im Gotteshaus, heute die Pfarrkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit (Wien 8, Alser Straße 17), wurde Beethoven eingesegnet.

Ein vierspänniger Paradewagen brachte den Sarg mit Beethovens sterblichen Überresten zum Währinger Friedhof. Beethovens Freund, der Burgschauspieler Heinrich Anschütz, trug die Trauerrede beim Friedhofstor vor. Franz Grillparzer, „Österreichs Nationaldichter“, hatte sie geschrieben: „Der letzte Meister des tönenden Liedes, der Tonkunst holder Mund, der Erbe und Erweiterer von Händel und Bachs, von Hayden und Mozarts unsterblichem Ruhm hat ausgelebt, und wir stehen weinend an den zerrissenen Saiten des verklungenen Spiels.“

1888 wurde Beethoven exhumiert und auf den Wiener Zentralfriedhof überführt. In einem Ehrengrab der Stadt Wien fand er seine endgültig letzte Ruhestätte. Der Währinger Ortsfriedhof wurde 1924/25 in den Schubertpark umgewandelt (Wien 18, Währinger Straße). Beethovens einstiges Grabmal findet sich an der Parkmauer, ebenso jenes von Schubert, der nur ein Jahr nach Beethoven starb.

Beethovens Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof ist eines der meist besuchten der Ehrengräber in Gruppe 32A, wo die Größen der klassischen Musik versammelt liegen. Eine Leier, eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, Sinnbild für den ewigen Kreislauf, und ein Schmetterling, der für die vom Körper losgelöste Seele steht, zieren den obeliskförmigen Grabstein. „Beethoven“ steht zudem darauf geschrieben.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum