Objekt des Monats Jänner 2017

Trauerportier vor einem Haustor

Trauerportier mit Portierstab
Inv.Nr. BFM-35
Schwarz-Weiß-Foto, Brauntonung
39 x 32,5 cm
Auf Passepartout kaschiert
Fotograf: Atelier Victor, Wien

„Der zur Aufbahrung bestimmte Paradesaal wird durchgehends mit schwarzem Tuche ausgeschlagen, der Plafond schwarz drapiert, der Fußboden mit Teppichen belegt und der Sarg auf einen Katafalk unter einen Baldachin gestellt. Sowohl Katafalk als Baldachin sind von schwarzem Samt und reich mit Silber verziert. (…) Auch der Vorsaal wird mit Tuch vollständig ausspaliert. (…) 20 in hohen Leuchtern befindliche Kerzen umgeben die irdische Hülle des Verstorbenen. (…) Das Portal des Hauses, in welchem der Verstorbene auf dem Paradebette liegt, wird, wenn gewünscht und gestattet, dekoriert und ein Portier durch zwei Tage postiert …“

Diese und viele weitere Leistungen wie einen Sarkophag in griechischem Stile, einen von acht Rappen gezogenen Pracht-Leichenwagen und eine feierliche Einsegnung in der Kirche mit neun Priestern im großen Ornate umfasste ein Begräbnis der Prachtklasse bei der Gemeinde Wien – Städtische Leichenbestattung, der heutigen Bestattung Wien, im beginnenden 20. Jahrhundert. Zumindest 4800 Kronen kostete eine solche „Schöne Leich“. Zum Vergleich: Die niedrigste Bestattungsklasse war um 55 Kronen zu haben.

Der hier vorgestellte Trauerportier hatte die Aufgabe, bei mondänen Begräbnissen Trauergäste einzulassen, damit sie von dem oder der Verstorbenen Abschied nehmen konnten. Ob der Mann ein Mitarbeiter der 1907 gegründeten Städtischen Bestattung oder eines der anderen 80 damals in Wien tätigen Bestattungsunternehmen war, erzählt das Foto nicht. Denn deren Uniformen unterschieden sich kaum.

Sie orientierten sich, wie etwa auch die Formation des Trauerzugs, am Spanischen Hofzeremoniell und damit dem Prunk barocker Adelsbegräbnisse. Hinweise zur Zugehörigkeit des Bestatters hätte seine Schärpe liefern können. Sie trug üblicher Weise den Namen des Bestattungsunternehmens - doch deckt der lange Bart des Trauerportiers die Informationsquelle zu. 

Waren die Livréen von Hoflakaien Vorbild für die Bekleidung der Bestatter, so stand für den auf dem Foto gleichfalls zu sehenden Portierstab der Stab eines kaiserlichen Zeremonienmeisters Pate. Das Bestattungsmuseum hat mehrere dieser Objekte in seiner Sammlung. Sie unterstrichen die Bedeutung des Trauerportiers und drückten seine "Befehlsgewalt" aus. 

Vor welchem Haus der Trauerportier seinen Dienst versah, bleibt verborgen. Aber wahrscheinlich lag das Gebäude in der Nähe des beauftragten Fotostudios: des Ateliers „Victor“ in Wien XVII., Hernalser Hauptstrasse 116, wie auf dem Passepartout zu lesen ist. Noch heute sieht man im Wiener Bezirk Hernals Vorstadthäuser wie das abgebildete. Hausaufbahrungen sind in Wien aus hygienischen Gründen seit 1945 verboten.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Bestattungsmuseum