Objekt des Monats November 2016

Totenwappen Kaiser Franz Josephs I.

Totenwappen für Franz Joseph I.
Inv.Nr. BFM-482
Wasserfarben auf Karton
76 x 56 cm
Wien, 1916

Sowohl der hohe wie auch der niedere Adel unterstrich seine Bedeutung durch Totenwappen. Nach dem Tod eines Adeligen ließ man – oft schwarz umrandete – Plakate mit dem Namen und dem Sterbedatum des Verstorbenen sowie dessen Wappen anfertigen. 

„Franciscus Josephus I., D.G. Imp. Austr., Rex Boh. etc. et Apost. Rex Hung., MCMXVI“: Das hier vorgestellte Totenwappen war für den am 21. November 1916 verstorbenen Regenten Franz Joseph I. bestimmt.

Der Monarch war nicht nur Kaiser von Österreich (Imp. Austr.), sondern, wie auch auf dem Totenwappen zu lesen ist, König von Böhmen (Rex Boh.) und Apostolischer König von Ungarn (Apost. Rex Hung.) sowie Träger vieler weiterer Titel. Die Abkürzung D.G. (Dei Gratia) drückt aus, dass diese Kronen und Würden „von Gottes Gnaden“ verliehen wurden.

Zwei von Franz Josephs I. Kronen sind auf dem Totenwappen dargestellt: links die Krone des Kaisertums Österreich, rechts die ungarische Stephanskrone. Der Schild zeigt das Hauswappen der Dynastie Habsburg-Lothringen. Um diesen legt sich die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies. Abzeichen dieses habsburgischen Hausordens, der noch existiert, ist ein goldenes Widderfell: das an der Kette hängende Vlies.

Totenwappen wie jenes von Franz Joseph I. dienten zur kurzzeitigen Ausschmückung während der Trauerfeierlichkeiten. Die handgemalten Plakate waren an der Tür des Sterbehauses angebracht, zierten den schwarz ausgekleideten Aufbahrungsraum und wurden im Kondukt mitgeführt. Mit Hilfe von Bändern und Nadeln waren sie an Vorhängen und Decken befestigt.

Meist blieben den Malern nur wenige Tage oder Stunden, um die Stücke anzufertigen. Mussten die Totenwappen an Wochenenden gemalt werden, wurde ein Preiszuschlag verlangt, wie ein Beleg im Archiv des Bestattungsmuseums dokumentiert. Auch mangelte es manchmal an einer sorgfältigen Ausführung. Aber Totenwappen brauchten gar nicht akribisch genau umgesetzt werden – sie sollten ohnehin eher auf Distanz wirken.

Den Totenwappen verwandt sind die schon im Mittelalter gebräuchlichen Funeralwappen. Aus Holz oder Metall gefertigt und gleichfalls bemalt, wurden sie in der Kirche oder der Familienkapelle über der Grabstätte des Verstorbenen aufgehängt.

Das Bestattungsmuseum besitzt Dutzende Totenwappen aus Papier. Die ältesten stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Text: Helga Bock, Abbildung: B&F Wien/Harringer